Ewigkeitsgottesdienst 2016 in der Versöhnungskirche

Am vergangenen Sonntag fand in der Versöhnungskirche der Ewigkeitsgottesdienst zum Gedenken an die Verstorbenen statt. Dabei wurde die Pastorin Martina Wehrmann vom Geschichtenerzähler Lothar Schröer und dem Gospelchor „Sing for Joy“ unterstützt. Im Anschluss suchten die Gemeindemitglieder beim Kirchkaffee das Gespräch.

Ewigkeitsgottesdienst 2016 in der Versöhnungskirche2016-11-21T20:28:18+01:00

Die Elbphilharmonie wird eröffnet!

Ein Kommentar von Dr. Ekkehart Thießen

Merkwürdiges vollzieht sich in der deutschen Kommentarlandschaft: Nachdem sich jahrelang Spott und Häme über Hamburg und seine Elbphilharmonie ergossen: Baumängel, katastrophale Organisation, verschobene Eröffnungstermine, Kostenexplosion scheint sich jetzt alles ins Gegenteil zu verkehren: Man beglückwünscht Hamburg zu diesem mutigen, epochemachenden Kunstwerk der Architektur, vergleichbar nur noch mit dem Konzerthaus von Sidney, das eine ähnliche Baugeschichte hinter sich hat. Und hält das Ergebnis der Mühe und Kosten mehr als wert. Aber ist es das?

Ich erinnere mich an den evangelischen Kirchentag in Hamburg. Und an die Eröffnungsrede der Bischöfin Jepsen. Wie sie über die geteilte Gesellschaft sprach, von den wenigen, die ganz viel und den vielen, die fast nichts haben. Wie sie auf die Kinder verwies, die aufgrund des Geburtsfehlers armer Eltern wohl nie die Chance auf ein Musikinstrument geschweige denn regelmäßigen Musikunterricht haben würden. „Und dabei bauen wir doch eine Elbphilarmonie!“, so lauteten damals ihre Worte unter lautem Beifall der Zuhörenden.

Angesichts der seitdem unveränderten sozialen Verhältnisse (laut Armutsbericht sind unsere Reichen seitdem noch etwas reicher und die Armen noch etwas ärmer geworden) hinterlassen die heutigen Lobeshymnen einen schalen Nachgeschmack oder – um im musikalischen Bild zu bleiben – einen dissonanten Nachklang. Zudem muss man sich fragen, für wen das neue Gebäude gebaut wurde. Angesichts hoher Eintrittspreise und des gebotenen Programms dürfte auch hier die oberen Zehntausend unter sich bleiben. Allen andern bleibt das Staunen – von außen!

 

Haben auch Sie Lust, sich zu einem aktuellen Thema zu äußern? Dann schreiben Sie uns und schicken Ihren Text an die Online-Redaktion an m.thiessen@kirchedetmoldwest.de. Bitte beachten Sie: Defamierende und beleidigende Texte werden ignoriert!

Die Elbphilharmonie wird eröffnet!2016-11-07T17:42:24+01:00

„Weil wir selbst Flüchtlinge waren…“ – Biblische Befunde

Auf die Frage, warum Reformierte Kirchen in Europa, die oft selbst als Minderheit leben, sich in besonderer Weise im Bereich Flucht und Migration engagieren, wird mit dem schlichten Satz geantwortet: Weil wir selbst Flüchtlinge waren…

In dieser Feststellung drückt sich dreierlei aus:

  • Die lebendige Erinnerung an die Geschichte von reformierten Kirchen meint z.B. bei Waldensern oder Hugenotten Verfolgung über Jahrhunderte.
  • Der Hinweis auf die Entwicklung der Reformierten Kirchen insgesamt, deren Entstehung und Existenz über lange Zeit von Flucht und Asyl bestimmt war.
  • Das Bewusstsein um die Aufgabe als christliche Kirche, die sich der Botschaft des Alten und Neuen Testaments hinsichtlich der Begegnung mit „Fremden“, Entwurzelten und Entrechteten besonders verpflichtet weiß.

Dazu zwei biblische Befunde:

  1. „Einen Fremden sollst du nicht quälen. Denn ihr wisst, wie dem Fremden zumute ist, seid ihr doch selbst Fremde gewesen im Land Ägypten.“ (Ex 23,9)

Gott erinnert sein Volk an seine eigene Geschichte, an erfahrenes Leid, gleichzeitig aber auch an die Befreiung aus dem Sklavenhaus. Gott fordert deshalb ein entsprechendes Handeln im Umgang mit Fremden. Zu wissen, wie den Fremden zumute ist, heißt: ihre Ängste und Hoffnungen wahrzunehmen, ihre Verzweiflung und Verletzung zu spüren, möglicherweise genau so, wie man sie selbst empfunden, am eigenen Leib erfahren hat.

Diese „Erinnerungen“ gehen jedoch über die persönliche Sphäre hinaus. Ihr weiterer Kontext sind Rechtssatzungen als „Ausführungsbestimmungen“ der Zehn Gebote. Durch sie wird die Achtung vor Fremden und die Bewahrung ihrer Würde zum verbrieftem Recht. Die Achtung des „fremden“ Mitmenschen und seiner Rechte ist die Achtung des von Gott geliebten Gegenübers. Umgekehrt formuliert: jede Verletzung des Fremden, seiner Rechte und Würde oder seines Lebens, bedeutet einen Angriff auf Gott, auf den Heiligen, selbst.

  1. Du sollst das Recht von Fremden, die Waisen sind, nicht beugen; du sollst das Kleid einer Witwe nicht als Pfand nehmen. Denk daran: Als du in Ägypten Sklave warst, hat dich der Herr, dein Gott, dort freigekauft.“ 5.Mose 24,18

Nach biblischer Perspektive haben Flüchtlinge, Kinder und Erwachsene, Rechte; sie sind also nicht abhängig von Gnadenakten. Über die Hälfte der 60 Mio. Flüchtlinge weltweit sind unter 18 Jahren! Das sind Kinder und Jugendliche, die allein, ohne Eltern, ohne Familie, ohne Vertraute unterwegs sind; Kinder mit Verletzungen und Traumatisierungen. Jesus Christus, der Gottes-Menschen-Sohn, den wir als Messias bekennen, teilt diesen Weg eines Flüchtlingskindes, von Anfang an.

Sabine Dreßler, Reformierter Bund, Hannover

„Weil wir selbst Flüchtlinge waren…“ – Biblische Befunde2016-10-11T18:37:06+02:00
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