Ihr Turm ist weithin sichtbar, und sie gehört zum Stadtbild von Detmold: die Christuskirche. Ein im neugotischen Stil errichteter Kirchenbau vom Anfang des 20. Jahrhunderts nach Entwürfen des Architekten Otto Kuhlmann.

Die Christuskirche ist die Mutterkirche unserer Gemeinde. Der schlichte und zugleich feierliche Innenraum der Kirche lädt besonders zur Ruhe und Einkehr ein. Jeden Sonntag versammeln sich in der Kirche Menschen unserer Gemeinde zum Gottesdienst. In der warmen Jahreszeit ist die Kirche auch in der Woche tagsüber verlässlich für Besucher geöffnet. Daneben bietet die Christuskirche auch den Ort für zahlreiche Konzerte und für besondere Festgottesdienste, die über die Gemeinde hinaus Aufmerksamkeit erregen.

Unser Gemeindehaus in der Karolinenstraße lädt die verschiedenen Gemeindegruppen zum fröhlichen Miteinander ein. Sei es zum Tanzen oder Malen, sei zum intensiven Gespräch über Lebens- und Glaubensfragen. Und auch für Kinder und Jugendliche ist einiges los.

Geschichte unserer Logen

Seit Januar 1908 wird in der Detmolder Christuskirche Gottesdienst gefeiert. Ihr Bau wurde durch mindestens zwei Notwendigkeiten bestimmt. Die Detmolder Erlöserkirche am Markt war zu klein geworden. Und  die neu an die Macht gekommene Linie „zur Lippe-Biesterfeld“ war gewillt, ihren Regierungsanspruch im Fürstentum Lippe durch die Neugestaltung Detmolds zur Geltung zu bringen. So entstanden bis in den Weltkrieg 14/18 hinein neue repräsentative Gebäude: u.a. Christuskirche als ‚Kathedrale‘, Synagoge, Landestheater.

Die Christuskirche wurde vom Detmold-Berliner Architektenbüro Kuhlmann im neogotischen Stil realisiert. Sie wirkt nach vorn ausgerichtet und mit steinernem Abendmahlstisch (angelehnt an byzantinische Heiligensarkophage) ‚unreformiert‘. Sie gilt seinerzeit als größte und modernste Kirche in Lippe: bis zu 1400 Plätze, Linoleumfußboden, eine Dampfzentralheizung. Unter dem Chorraum wird die Grablege der Familie zur Lippe gebaut.

Im Chorraum stellt die Architektur programmatisch ein neues „Staat-Kirche-Verhältnis“ dar. Vielleicht ist deswegen der Abendmahlstisch unverrückbar. Flankiert wird der Weg zu ihm durch zwei Logen. Rechts sitzen die Kirchenältesten, links ist die Staatsloge des Fürsten. Kirchenvorstand und Staatsmacht begegnen einander auf Augenhöhe. Beide halten gemeinsam den Weg zum Tisch frei. Dabei sitzen die Ältesten unter der Kanzel, der Fürst ihr gegenüber.
Eine Besonderheit bringt die unterschiedlichen Aufgaben von Staat und Kirche zum Ausdruck. Die Ältesten haben direkten Zugang zum Kirchenschiff und zum Chorraum. Solche Zugänge sind in der Staatsloge nicht vorhanden. Der Fürst konnte Chorraum und Kirche nicht durch die Loge betreten. Will er am Abendmahl teilnehmen, muss er – wie jedes andere Gemeindeglied – die Kirche durch eines der Portale betreten. Seine Rolle in der Loge ist auf das Hören beschränkt.

Mit der Architektur der Logen wird die Aufgabe des Staates in und für die Kirche beschrieben: Freiheit zum Glauben und zur öffentlichen Ausübung des Glaubens zu gewähren. Dies wird umso deutlicher, blickt man auf den etwa zeitgleichen Berliner Dom als Ausdruck des Verhältnisses von Kirche und Staat. Dort wird die Kaiserloge als Empore gebaut. So ist es seit den Kaiserdomen Karls des Großen üblich. Der Herrscher ist Herrscher auch in der Kirche. Er kontrolliert ‚gottnah‘ das Geschehen. In der Detmolder Christuskirche zeigt sich anderes: Staatsvertreter, die Hörer des Wortes sind und in ihrer Aufgabe von der Gemeindeleitung beobachtet und beachtet werden.